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Ausgabe: 04/2012 | E-Paper »  PDF »  Druckansicht »  

5 Barbara Schmidt, Keramikdesignerin

„Die Werkstatt ist Ideenlabor."


Dass ich Designerin geworden bin, war wohl mehr Zufall als bewusste Entscheidung. In meinem Studium an der Burg Giebichenstein wurde viel handwerklich gearbeitet, wenn auch immer im Hinblick auf die industrielle Vervielfältigung. Ich habe das Angebot bekommen, nach Kahla zu gehen, die Arbeit hat mir Spaß gemacht und ich bin geblieben.

Natürlich verfolge ich die Entwicklungen im Kunsthandwerk, wenn auch nicht gezielt. Mich interessiert, was in den Grenzbereichen zwischen Design, Kunsthandwerk und Bildender Kunst passiert. Traditionell gab es da starke Abgrenzungsbedürfnisse auf den jeweiligen Seiten, die aber allmählich obsolet werden und die jetzige junge Generation schon kaum noch interessieren. Ohnehin ist der Begriff Kunsthandwerk problematisch, weil er auch bestimmte stilistische Assoziationen auslöst. Leider gibt es im Deutschen keine Alternative zur Bezeichnung handwerklicher Autorenproduktion. Aber auch der Designbegriff hat sich ja in einer Weise gewandelt und erweitert, mit der die öffentliche Wahrnehmung nicht Schritt hält.

Ich finde es inspirierend, den Alltag zu beobachten und Entdeckungen im scheinbar Gewöhnlichen zu machen. Ich interessiere mich dafür, was in den angrenzenden gestalterischen Bereichen passiert. Und meine Entwürfe entstehen überwiegend handwerklich. Manchmal auch aus der Arbeit an eigenen freien, nicht mit dem Gedanken an die industrielle Serie begonnenen Projekten heraus. Also arbeite ich, jedenfalls wenn es um die formale Entwicklung meiner Entwürfe geht, im Grunde wie eine Kunsthandwerkerin, aber mit der industriellen Serienproduktion im Kopf.

Es macht mir Freude, an alltäglichen Gebrauchsgegenständen zu arbeiten. Ich arbeite seit über 20 Jahren für Kahla, einen Porzellanhersteller mit Produktion in Deutschland. Die Zusammenarbeit ist sehr eng, und ich finde es beglückend, den ganzen Entwicklungsprozess des Produkts und darüber hinaus der Firma mitzubekommen und zu begleiten.

Etwas möchte ich noch erwähnen: Wenn ich studentische Projekte an Hochschulen betreue, merke ich immer wieder, wie groß das Interesse an konkreter handwerklicher Arbeit und an den „klassischen" Materialien und Formgebungstechniken ist. Mehr und mehr wird wahrgenommen, dass handwerkliche Erfahrung letztlich auch Voraussetzung für das gelungene Entwerfen mit digitalen Techniken ist. Und dass die Werkstatt ein Ideenlabor ist, ein Ort, an dem eine Atmosphäre entstehen kann, die den kreativen Prozess katalysiert. ■

Die Porzellandesignerin Barbara Schmidt, geboren 1967 in Berlin, arbeitet seit 1991 bei der Kahla/Thüringen Porzellan GmbH. Die Entwürfe der heutigen Kahla-Chefdesignerin wurden mit zahlreichen nationalen und internationalen Designpreisen ausgezeichnet.




Oben: Milchkännchen und Kaffekaraffe aus der Kahla-Serie „Café Sommelier
Oben: Milchkännchen und Kaffekaraffe aus der Kahla-Serie „Café Sommelier" von 2012. Barbara Schmidt zählt das Service „Update" von 1998 (rechts) zu ihren besten Entwürfen für Kahla.



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