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Ausgabe: 03/2012 | E-Paper »  PDF »  Druckansicht »  

Elektromobilität

E-Mobilität anders denken


Mit dem E-Bike „Elmoto" sorgte das Stuttgarter Designbüro ipdd aus dem Stand für großes Aufsehen – als Entwerfer und Produzent. Wir sprachen mit Stefan Lippert, einem der Väter des flotten Zweirads, über die „Riesennummer", die wirtschaftliche Seite und die Chancen der bestromten Mobilität.

Vor rund drei Jahren tauchte „Elmoto" erstmals auf den Straßen auf: ein elektrisch angetriebenes Kleinkraftrad, das leise und höchst agil durch den urbanen Raum flitzt. Entwickelt wurde es vom Stuttgarter Designbüro ipdd, anschließend produziert und betreut von einer eigens dafür gegründeten Unternehmenstochter. „Elmoto" könnte man als das Ergebnis persönlicher Begeisterung, Neugier und Risikobereitschaft bezeichnen – denn während die großen OEMs sich dem Thema damals nur sehr verhalten näherten, ergriff man bei ipdd die Chance, schneller zu sein als andere und zu beweisen, dass in einem Markt, der vor großen Umbrüchen steht, das Glück dem Innovativen gehört.

Die Lernkurve ist enorm

Der Wagemut wurde belohnt: „Elmoto" sorgte für Aufsehen, katapultierte ipdd in Sphären, die einem Designbüro eigentlich verschlossen sind. „Bei der Weltausstellung in Shanghai standen wir als Einzige neben Porsche und Daimler", schmunzelt Stefan Lippert. „Wir haben eine enorme Wirkung erzeugt und extrem viele Kontakte wie auch Projekte gewonnen, weltweit übrigens." Wohl kaum ein elektrisches Fahrzeug ist so oft ausgezeichnet worden wie das „Elmoto", das inzwischen zu einem zentralen Element im Stuttgarter Feldversuch des Energieversorgers EnBW wurde. Allein hierfür lieferte die Tochter ID-Bike 500 Exemplare des Elektrorads. Ein enormer Erfolg, das ist unbestritten. Doch Stefan Lippert bremst die Euphorie: „Das Ding ist eine Riesennummer, einerseits. Rein wirtschaftlich betrachtet aber ist es kein Geschäftsmodell." Warum, das wird klar, wenn man den immensen Entwicklungsaufwand sowie die Infrastruktur für Vertrieb, Werbung, Service und Rücknahme sieht. „Wir haben eine enorme Lernkurve gemacht", so Lippert. „Dadurch hat sich unsere Arbeitsweise verändert, wir können unsere Arbeit viel leichter aus Sicht unserer Kunden betrachten und sehen nicht mehr alles durch das Design-Schlüsselloch."

Emotional begeistern

Elektrisch unterwegs zu sein, reizt Lippert aber weiter – schließlich ist Mobilität ein globales Megathema, das durch die elektrischen Systeme ganz neue Impulse erhält. Noch aber habe der Verbrennungsmotor Vorteile gegenüber dem Elektrosystem – Vorteile, die im direkten Vergleich eklatant zum Vorschein kommen. „Die Aufgabe des Designs ist es daher, die technischen Beschränkungen durch neue Features, Nutzungsmöglichkeiten und Qualitäten auszugleichen. Je mehr Konzepte entstehen, desto besser." Dies schließt das Freischwimmen von den gewohnten Mobilitätsfaktoren mit ein: „Ein Elektrofahrzeug muss ganz anders daherkommen, mit Eigenschaften, die nur elektrisch machbar sind! Bis heute ist es noch nicht gelungen, die immanenten Vorteile des Elektroantriebs emotional positiv darzustellen." Das Problem dabei: „Die Autoindustrie ist extrem konservativ und der Markt belohnte sie nicht für Innovationen. Die besten Konzepte wie der Audi A2 sind gefloppt und auch der Tesla ist nie im Alltag angekommen."

Von unten neu definieren

Wenn sich das Elektrofahrzeug von der direkten Konkurrenz zum Benziner löse, dann könne es erfolgreich werden. „Unser ‚Elmoto’ ersetzt kein normales Auto, sondern ergänzt es. Wenn dadurch 10 bis 20 Prozent der Kurzstrecken elektrisch gefahren werden, ist das ein erfolgreicher Weg." Und noch etwas könne das Elektroauto bewirken: die Neudefinition des Systems Autos von unten her, das Hinterfragen der wuchernden Komfortfunktionen, die nichts mehr mit der eigentlichen Mobilität zu tun haben. Beim konventionellen Fahrzeug würde dies, so Lippert, ein Abspecken bedeuten, was aber niemand wirklich wolle. Weil der elektrische Neustart diese Reduktion vom Rückschritt zum Fortschritt ummünze, stecke in der Elektromobilität ein enormes Potenzial, das weit über das singuläre Produkt Fahrzeug hinausreiche.

Armin Scharf

www.ipdd.com

www.elmoto.com

Fotos: ipdd
Elektrisch unterwegs: Stefan Lippert auf dem 'Elmoto'
Elektrisch unterwegs: Stefan Lippert auf dem 'Elmoto'

Schnell, agil und leise: 'Elmoto' mit Radnabenantrieb<br/>Fotos: ipdd
Schnell, agil und leise: 'Elmoto' mit Radnabenantrieb
Fotos: ipdd




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