| 01.03.2013
Ausstellungen
Als Kitsch noch Kunst war
Viele der oft süßlichen Chromolithografien des 19. Jahrhunderts werden heute als Kitsch angesehen, doch für die meisten Zeitgenossen waren sie Kunst – und eine neue Möglichkeit das Heim zu schmücken. Denn der Farbendruck gehörte im 19. Jahrhundert zu den großen technischen Innovationen und lässt sich durchaus mit der digitalen Revolution von heute vergleichen. Eine bilderlose Welt, wie es sie noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab, ist heute kaum vorstellbar. Die Erfindung der Chromolithografie brachte farbige Bilder in Zeitschriften, Schul- und Kinderbücher, auf Plakatwände und Verpackungen und ermöglichte, dass sich fast jede Familie ein buntes Bild über dem Sofa leisten konnte. Diese Erfolgsgeschichte zeichnet die Ausstellung „Als Kitsch noch Kunst war. Farbendruck im 19. Jahrhundert" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg nach. Noch bis zum 17. März sind hier rund 200 Farbendrucke aus der Zeit vor dem Jugendstil – von Menükarten über Weinetiketten und Sammelbilder bis hin zu Plakaten und künstlerischen Farbendrucken – zu sehen. Die meisten dieser Drucke, die damals in großen Auflagen erschienen, sind heute äußerst selten. Im Anschluss ist die Ausstellung vom 22. März bis 9. Juni im „Käthe Kollwitz Museum" in Köln zu Gast. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.
Cordula Gerhardt
www.mkg-hamburg.de |  | Seltene Farbendrucke aus dem 19. Jahrhundert: „The Yellow Dwarf" (Der gelbe Zwerg) von Walter Crane (1878), „Sunlight Soap" aus dem Jahr 1887 und eine „Orientalin" von 1885/90 (von links nach rechts). Fotos: MKG
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