|
|
|
| Ausgabe: 01/2010 | 30.03.2010
Editorial
Zwischen Luxus und Business
„Design ist Luxus“, urteilte vor einiger Zeit der Geschäftsführer eines großen, eigentlich designaffinen Unternehmens bei einer Firmenpräsentation – ohne dass auch nur einer der Anwesenden überrascht eine Braue hob. Kritisch aufs Korn genommen wurden das Verdikt des Vortragenden und das Verhalten der Zuhörer dagegen von unserem Autor Markus Frenzl: Beides sei „repräsentativ für die öffentliche Wahrnehmung des Designs, das sich anscheinend schon vor Jahrzehnten in Lifestyle- und Luxusgefilde abgeseilt hat und dort mit den Reichen und Schönen ein Jetsetleben führt“, schreibt der Designer und Designkritiker aus Offenbach in einem seiner Essays, die jetzt zwischen zwei Buchdeckeln erschienen sind.
Wir waren begeistert von den zwischen scharfsinniger Analyse und frecher Glosse changierenden Beiträgen Frenzls. Auf Seite 69 stellen wir die Sammlung seiner ebenso gescheiten wie amüsanten Texte aus den Jahren 2006 bis 2009 vor. Hier sei „kein neunmalkluger Ideologe, kein unkritischer Fan und kein abgebrühter Lohnschreiber am Werk“ gewesen, meint Rezensent Klaus Meyer; Frenzl verknüpfe „unterschiedliche gestalterische Bereiche miteinander“ und ordne sie „in die allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklungen“ ein, schreibt kein Geringerer als Dieter Rams im begeisterten Vorwort. Titel der Essaykollektion: „Was heißt hier Designkultur?“ Das wollen wir auch in Zukunft wissen. Der design report bietet dem Autor daher in dieser Ausgabe auf Seite 12 erstmalig ein besonderes Forum: die künftig regelmäßig erscheinende Rubrik „Designerglück“. Seinen aktuellen Beitrag widmet Frenzl dem malträtierten Begriff der „Nachhaltigkeit“.
Doch auch die „allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklungen“ spiegeln sich in dieser Ausgabe: im Schwerpunktthema „Design und Business“. Die Mitarbeit von Gestaltern an Projekten aller Art stellen sich viele noch immer als einen gleichsam nur unter glückhaften Umständen gelingenden Dialog zwischen Entrepreneurs und Künstlern vor. Dabei sind Designer längst wie ihre Auftraggeber kühl kalkulierende Unternehmer, die in scharfem Wettbewerb stehen, praktikable Geschäftsmodelle entwickeln und nicht nur in der Disziplin „Entwerfen“ Kreativität entfalten müssen – erst recht vor dem Hintergrund der aktuellen Konjunkturproblematik.
Die Designberater Barbara Fuchs und Joachim Kobuss sehen gerade die Krise als Chance. In ihrem Beitrag auf Seite 33 machen sie als Novum der gegenwärtigen Situation eine „vehemente Forderung nach Innovation und Kreativität“ aus, die den Blick auf die gesamte Kreativwirtschaft und damit auch auf die Designer lenke – gleichsam als Motor der wirtschaftlichen Erneuerung. In ihren Augen müssen sich Designer zu Universalisten entwickeln, in deren Profil sich gestalterische und unternehmerische Kompetenz vereine.
Doch werden Gestalter dann noch über das Potenzial verfügen, eigenständig Themen zu setzen und authentische Entwürfe vorzulegen? Könnten nicht Designtugenden wie Beständigkeit und Qualität dabei auf der Strecke bleiben? Wird nicht das Marketing dominieren, Ziele setzen, Taktzahlen vorgeben und einen potenziell großen Wurf schon ad acta legen, bevor er sich als relevant und letztendlich einträglich erweisen kann? Wird nicht das Primat eines kurzfristig angelegten Wirtschaftlichkeitsdenkens langfristig die Kreativität lähmen?
Denn wenn der Blick nur noch starr auf den Shareholder Value gerichtet ist, so der Mailänder Designer Aleksandar Tatic in unserem Interview auf Seite 32, müssten Produkte ihren „zukünftigen Erfolg oft schon im Embryonalstadium in Focus-Group-Tests nachweisen“ – mit der Auswirkung, „dass neue, vielleicht polarisierende Ideen immer öfter Risiko- und Wirtschaftlichkeitsberechnungen zum Opfer fallen“, bis es nur noch flaue Relaunchs gebe. Die Gefahr, dass Design so an Profil verliert, ist zweifellos gegeben. Die herausragenden Gestaltungslösungen, die wir im design report präsentieren können, belegen, dass es so weit lange noch nicht ist.
Zum Titelbild
Gestalter: Pixelgarten www.pixelgarten.de
Lars Quadejacob | |
|
|
|
|
|
|