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| Ausgabe: 04/2009 | 01.10.2009
Editorial
Mit Ästhetik zum Erfolg
Maxima – keine Gelegenheit lassen Gala, Bild und Bunte aus, die niederländische Kronprinzessin ins Bild zu setzen. Dabei spielen das attraktive Äußere der Wirtschaftswissenschaftlerin aus Argentinien sowie ihre Affinität zu Mode und Lifestyle-Auftritten eine bedeutende Rolle: Der „A-Star aus Tangoland“ sei ein „super Aushängeschild“ für die Niederlande, heißt es in den einschlägigen Gazetten.
Auch die deutsche Designszene hat einen A-Star namens „Maxima“ vorzuweisen. Allerdings handelt es sich dabei um eine Diesellok. Als öffentlich akklamierte Repräsentantin von besonderer Attraktivität gilt sie freilich auch – zusammen mit einer ganzen Produktfamilie. Im vergangenen Jahr berichteten wir über den mittelständischen Maschinenbauer Voith, der bei seinem Einstieg in den Lokomotivbau mit dem Kieler Büro ma-Design zusammenarbeitete. Das dabei entstandene Modell verkörpert einen für diese Branche vollkommen neuen gestalterischen Ansatz. Noch ehe die Neuentwicklung ihre Zulassung durch das Eisenbahnbundesamt bekam, wurde „Maxima“ schon mit dem Red Dot Award ausgezeichnet – als erste Lokomotive überhaupt. Inzwischen hat auch der Markt die besondere Leistung des Branchennovizen Voith honoriert und zahlreiche Fahrzeuge geordert. Noch erfolgreicher ist das „Maxima“-Schwestermodell „Gravita“, das ebenfalls von ma-Design gestaltet wurde: Allein die Deutsche Bahn bestellte 130 Stück – ein Großauftrag.
Natürlich stellt sich die Frage: Kann man solche Markterfolge in der Hauptsache dem Erscheinungsbild zusprechen? „Ja“, sagt etwa Thomas Maier, Leiter des Instituts für Technisches Design an der Uni Stuttgart, mit Bezug auf ein anderes Beispiel. Maier redesignte eine Familie von Druckmaschinen und berichtet von einer 30-prozentigen Absatzsteigerung bereits auf der folgenden Fachmesse. Mehr dazu in unserem Interview auf Seite 32.
Zahlreiche Investitionsgüter aus Deutschland, bei denen bislang technische Funktionalität im Vordergrund stand, zeichnen sich inzwischen durch exzellentes Design aus – ob Druckmaschine oder Mähdrescher, Kettensäge oder Industriesauger. Dabei soll die Zusammenarbeit von Ingenieuren und Designern häufig durchaus problematisch sein. Deren unterschiedliche Vorgehensweisen würden geradezu zwangsläufig zu Konflikten führen, meint etwa Thomas Gatzky, Dozent an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Gatzky, der sowohl Diplomingenieur als auch Diplomdesigner ist, hat nicht nur als Arbeitswissenschaftler die unterschiedlichen Herangehensweisen untersucht, sondern auch praktische Problemlösungsstrategien erarbeitet. Um der Kooperation zwischen den Disziplinen neue Wege zu bahnen, initiierte er am Fachbereich Maschinenbau seiner Hochschule das Studienangebot „Integrierte Produktentwicklung“ (IPE), in dessen Rahmen Konstrukteure und Gestalter für die Vorgehensweise der jeweils anderen sensibilisiert werden. Dass es auch Entwurfsprozesse gibt, bei denen die unterschiedlichen Ansätze von Anfang an harmonisch ineinander greifen, belegt eine Reihe von Beispielen gelungener Zusammenarbeit – wie etwa die Entwicklung des Hafenkrans „Adler 1500“ durch das Unternehmen Ardelt und das Berliner Büro Staubach auf den Seiten 28 bis 30.
Dass eine enge Vernetzung ingenieurtechnischer und gestalterischer Arbeit nicht nur im Schwermaschinenbau überzeugende Produkte hervorbringt, zeigt schließlich das design report special, das Abonnenten zusammen mit dieser Ausgabe erhalten. Die Sonderausgabe dokumentiert die Entwicklung des kinematisch hoch innovativen Bürodrehsessels „ON“ der Firma Wilkhahn, dessen ergonomische Neuerungen schon in seinem Äußeren gut ablesbar sind. Markteinführung ist im September. Auch hier gilt die Devise: mit Ästhetik zum Erfolg. Maxima lässt grüßen.Lars Quadejacob
Zum Titelbild
Gestalter: PKNTS Daniel Jarosch, Henrik Klingel www.pknts.com
Lars Quadejacob | |
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