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| Ausgabe: 01/2009 | 06.03.2009
Editorial
Der kreative Staat
Ja, es gibt sie noch! Unternehmer, die sich aus welchen Gründen auch immer noch nicht an die Zusammenarbeit mit Designern herangetraut haben. Deren Bauchgefühl zwar sagt: „Da muss ich ran“, die aber dennoch nicht wissen, wie, unter welchen Umständen und unter welchen Rahmenbedingungen die Zusammenarbeit Früchte trägt. Unsere Serie „Wen Design antreibt“ bringt Beispiele von Firmen und Unternehmern, deren Erstversuche in einer Erfolgsstory mündeten.
Unternehmern klar zu machen, was ein Designprozess ist und wie sie geeignete Designer finden können, das ist seit Jahrzehnten die Aufgabe von Designzentren. In Deutschland haben sie sich – beginnend mit der 1850 gegründeten Vorbildsammlung im Stuttgarter Landesgewerbeamt – in vielen Bundesländern mit vielen unterschiedlichen Konzepten und Zielen und mit höchst unterschiedlichem Erfolg etabliert. Designförderung galt als öffentliche Aufgabe, aber auch als private Initiative – zur Förderung des Außenhandels: So sahen es 1907 die Gründer des Deutschen Werkbundes. Heute ist Design in aller Munde, die Grundlagen und Bedingungen seines Entstehens aber sind noch längst nicht selbstverständlich. Oft könnten es geringe Mittel sein, die Designzentren in ihrem Bestand sichern. Doch großzügige Rettungsschirme sind selten in Sicht. Auch nicht für das Design Zentrum Bremen, das seit 1990 besteht. Dessen jüngste Aktivitäten zur Kreativwirtschaft gefielen so gut, dass dieses Thema künftig, „mit anderen Innovationsfeldern verzahnt“, die Innovationspolitik des Bremer Senates bestimmen soll. Eine eigene Bremer Design GmbH braucht es dann nicht mehr.
Muss denn auch jedes Bundesland ein eigenes Designzentrum haben, womöglich noch mit einem Designpreis, der wiederholt auszeichnet, was andernorts schon längst prämiert wurde? Wohl kaum! Wichtiger erscheint, dass, über die Basisarbeit hinaus, regional an Aufgaben und Themen gearbeitet wird, die überregional von Bedeutung sind.
In Berlin hat das Internationale Design Zentrum IDZ gerade seine Führung gewechselt. Cornelia Horsch, die neue Leiterin, belässt es bei den Themen ihrer Vorgängerin, etwa dem Universal Design, für das bereits ein Netzwerk etabliert wurde, das auch über die Grenzen der Hauptstadt hinaus genutzt werden kann. Auch beim sperrigen, aber wichtigen Feld der Designkritik möchte Horsch weiter dicke Bretter bohren.
In Hamburg gar geschieht Erstaunliches: Hier wechselte die offizielle Zuständigkeit für Design vom Wirtschaftssenator zur Kultursenatorin. Und Senatorin Karin von Welck lud Ende Januar mit Babette Peters, der bewährten Direktorin von hamburgunddesign, und anderen Beteiligten zur Vorstellung eines neuen Projektes in die HafenCity. In Hamburg geht es in die heiße Phase zur Realisierung eines lang gehegten Wunsches: Bis 2011 soll im dynamischsten Teil der Hansestadt ein eigenes Designzentrum entstehen. In einem Neubau mit der Bezeichnung „designport“ soll das Design- zentrum („designxport“) residieren, in den Stockwerken darüber designaffine Firmen, Designbüros und Kreative aller Art in Arbeitslofts. Kein Wunschtraum, sondern beschlossenes Bauprogramm. Die prominente Platzierung zwischen Maritimem Museum und HafenCity-Universität, nah an touristischen Trampelpfaden, mag helfen, ein breites Publikum ins Haus zu ziehen.
Drei Beispiele, drei Wege der Designförderung: Womöglich rücken Wirtschafts- und Kulturförderung so zusammen, wie es Künstler und Designer längst vormachen. Design ist nicht Kunst, aber ohne Kunst ist Design ebenso wenig zu denken wie ohne Wirtschaft.
Zum Titelbild
Design Studio Projekttriangle www.projekttriangle.com
Lars Quadejacob | |
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