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| Ausgabe: 01/2009 | 06.03.2009
Editorial
Blindtext
Blindtext kann wohl ohne chauvinistische Übertreibung sagen: Deutsches Design genießt auch in der globalisierten Welt einen ausgezeichneten Ruf. Ebenso dürfte Common Sense sein, dass das nicht zuletzt mit unserer bedeutenden Designgeschichte zu tun hat; die Stichworte Bauhaus und Ulm sind in vielen Festreden zu einem Designereignis schnell zur Hand. Nun müsste man eigentlich annehmen, dass mit der Erforschung dieser bedeutsamen Geschichte hier zu Lande alles zum Besten steht. Und in der Tat gibt es ja auch gewichtige Institutionen zu nennen, etwa Museen und so manche Designfakultät an den Hochschulen. Nur was es bisher nicht gab, ist ein verbindendes Gremium, das Anlaufstelle ist, Interessen bündelt und die Disziplin als Ganzes vertritt. – Ganz anders sieht die Situation beispielsweise in Großbritannien aus, wo es seit 31 Jahren die sehr umtriebige Design History Society gibt.
Seit Anfang Februar existiert eine solche Institution nun auch in Deutschland: die Gesellschaft für Designgeschichte (GfDg) – auf Seite 76 finden Sie einen Bericht über die Gründungsveranstaltung in Weimar. Was aber leistet Designgeschichte, wer kann von dieser Disziplin profitieren? Im Prinzip jeder. Denn entgegen manchem Vorurteil wird hier keine Wissenschaft um ihrer selbst willen und vom gegenwärtigen Designschaffen losgelöst betrieben. Das wurde auf der Gründungstagung in der programmatischen Rede von Gert Selle, dem Nestor der deutschen Designgeschichte, deutlich. Der legte zwar zunächst seine bekannten Thesen zu den Aufgaben einer Designgeschichtsschreibung als kulturwissenschaftliche Disziplin dar, die sich zugleich vier Forschungsfeldern zu widmen hätte: der sichtbaren Produktgestalt, dem unsichtbaren Funktionsspektrum, dem gesellschaftlichen (also ökonomischen, technologischen und sozialkulturellen) Kontext sowie der Aneignungs- und Gebrauchsgeschichte. Aber diese für die Beschreibung der Vergangenheit entwickelten Kategorien helfen ebenso gut das Phänomen Design in seinen gegenwärtigen Fassetten und Aus-wirkungen zu verstehen. Das wurde im erwähnten Vortrag schon dadurch deutlich, dass die einzigen konkret benannten Produkte zwei ganz aktuelle waren, nämlich iPod und iPhone. Beide waren Selle zugleich Beleg, dass die Bedeutung von Lucius Burckhardts Diktum „Design ist unsichtbar“ im digitalen Zeitalter stetig an Bedeutung gewinne. Selle: „Wir bekommen heute vorgeführt, dass Programmierer oft das wichtigere Design liefern.“ Gerade was das iPhone betrifft, ist er sich sicher: „An diesem Ding werden sich Desig“
Der Einblick in genau dieses komplexe Beziehungsgeflecht zwischen Design und seinen Nutzern, in das Verhältnis von sichtbarem und unsichtbarem Design, ist etwas, das auch jedem, der Design entwickelt oder vermarktet, nutzbringende Erkenntnisse verschaffen kann. Zugleich kann eine solche Perspektive auf Designgeschichte ebenso gut wie die Institutionalisierung in Form einer Gesellschaft dazu beitragen, die Disziplin vom Stigma eines „Oberflächenereignisses“ (Selle) zu befreien (wobei Selles Postulat von der Rolle der Museen bei dieser Banalisierung ausdrücklich nicht das Wort geredet werden soll). Denn das haftet der Designgeschichte ebenso wie aktuellem Designschaffen doch in der Wahrnehmung der Nicht-Fachöffentlichkeit noch viel zu häufig an – wie sich an der Seltenheit ernsthafter Designkritik in den Feuilletons der Tageszeitungen, etwa im Vergleich zur Architekturkritik, zeigt. In diesem Sinne ist der GfDg viel Erfolg zu wünschen – zum Nutzen aller, die sich mit dem Thema Design beschäftigen.
Zum Titelbild
Gestalter: Blindtext Blindext grafik & kommunikationsdesign, www.minimalist.cn
Lars Quadejacob | |
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