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| Ausgabe: 06/2008 | 02.02.2009
Editorial
In der Krise, aus der Krise!
Wir leben in einer globalisierten Welt der Bilder. Für jedes Ereignis, ganz gleich, ob es sich um eine freudige Nachricht handelt oder um eine Katastrophe, bekommen wir nahezu zeitgleich mit dem Geschehen die zugehörigen Bilder, ob es uns gefällt oder nicht. Wie aber lässt sich eine Finanzkrise in Bildern darstellen? Mit Kurstafeln, deren Kurven steil nach unten verlaufen? Mit Porträts von traurig dreinschauenden Börsenmaklern? Was die gegenwärtige Krise so unheimlich macht, ist, dass es für sie keine stimmigen Bilder mehr gibt. Um darzustellen, welche Veränderungen auf die Weltwirtschaftsordnung und letztlich auf jeden einzelnen Menschen zukommen, fehlen uns die richtigen Zeichen. Ähnliches gilt für den Klimawandel, den wir kaum bildlich fassen können. Auf einer Internet-Seite kann man den Küstenverlauf sämtlicher Landregionen dieser Erde simulieren und danach ablesen, welche Erhöhung des Wasserspiegels der Weltmeere wie viel Land verschlingen wird. Eine präzise Vorstellung von der ganzen Tragweite der Veränderungen, die eine rasche Klimaerwärmung bedeuten mag, vermittelt sogar das nicht. Wichtige aktuelle Ereignisse begreifen wir immer weniger, weil uns passende Formen der Visualisierung fehlen. Das mag damit zu tun haben, dass wir immer noch nicht gelernt haben, vernetzt zu denken, das heißt komplexe Zusammenhänge mit gegenseitigen Abhängigkeiten zu durchschauen und unsere tatsächlichen Eingriffs- und Veränderungsmöglichkeiten realistisch einzuschätzen. Noch immer glauben wir an die Linearität, an die einfache Chronologie der Ereignisse. Unser Titelthema „Konvergenz“ zeigt, dass es auch anders geht. Man kann dieses Stichwort ganz banal interpretieren, als das engere Verschmelzen von Marketing und Technik. Wenn Handy, Fernsehen, Radio und Internet noch enger miteinander fusionieren als bisher, entstehen dabei neue Strukturen und – wieder einmal – die Chance, Medien dialogisch auszurichten. Designer sollten die Möglichkeit ergreifen, Konvergenzen so zu gestalten, dass sie neben Funktionalität und Emotion auch einen Zugewinn an Selbstbestimmung bieten. Dazu passt das Designmanifest, das Anfang November auf dem World Economic Forum in Dubai verabschiedet wurde. An seiner Formulierung waren unter anderem Paola Antonelli, Kuratorin für Design am Museum of Modern Art, und der Wirtschaftsjournalist Bruce Nussbaum von der Business Week beteiligt. „In der Geschichte war Design stets ein Agent des Wandels“, heißt es darin. Und weiter: „Design hilft uns, Veränderungen in der Welt um uns herum zu verstehen und zu unserem Vorteil Dinge daraus zu entwickeln, die unser Leben verbessern. Heute, zu Zeiten der Krise und noch nie da gewesener Veränderungen in jedem Bereich unseres Lebens – seien sie ökonomischer, politischer oder gesellschaftlicher Art, betreffen sie Umwelt oder Wissenschaft und Technologie – ist Design wertvoller als je zuvor.“ Vier Hauptaktionsfelder benennen die Autoren: Lebensqualität, Nachhaltigkeit, Lernen und Innovation. Design könne einen wichtigen Beitrag bei der Neudefinition und Verteilung sozialer Dienstleistungen übernehmen, propagiert das World Economic Forum. Sieht man im Wörterbuch nach, meint Konvergenz: „Annäherung, Übereinstimmung von Meinungen und Zielen u.Ä.“ In unserem Fall könnte damit auch die Rückbesinnung auf einen Designbegriff gemeint sein, der weniger vordergründige Bilder erzeugt, sondern sich tatsächlich universell versteht.
Lars Quadejacob | |
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