| Ausgabe: 12/2007 | 08.01.2008
Zettels Traum
Das Spielen mit Papier machte Bruno Winter von der Kunsthochschule Kassel zum Thema seiner Abschlussarbeit – und legte dabei besondere Poesie und Raffinesse an den Tag. Eine Kombination aus Baukastenprinzip und freien Techniken geben dem Projekt seinen Reiz.
Der Wunsch, mit einem Spielentwurf zu aktiven, die Fantasie weckenden Tätigkeiten anzuregen, lag dem Diplomprojekt von Bruno Winter zu Grunde. Vorausgegangen war eine intensive Auseinandersetzung mit Erkenntnissen aus der Spielforschung, der Entwicklungspsychologie und der Pädagogik. Mit dem Ergebnis „Pepastars“ wird Winter seinem Anspruch gerecht. Die sternförmigen Papierelemente basieren auf einem einfachen zweidimensionalen Schnittmuster. Es gibt vier verschiedene Basisteile, die an ihren Spitzen drehbar aneinander fixiert werden können. Bis zu sechs Teile finden an einem solchen Knoten Anschluss. Dank der Biegsamkeit des Papiers entstehen rasch plastische Formen.
Seine „Pepastars“ hat Winter mit Kindern und Erwachsenen auf ihre Spielbarkeit hin getestet und konnte feststellen, dass das Spiel eine lebhafte Dynamik entwickelt. Im rhythmischen Wechsel wird experimentiert, interpretiert und konkretisiert. Ob in kleinen oder großen Dimensionen – der Fantasie entspringen organische Skulpturen, geometrische Objekte, konkrete Figuren oder auch bewegliche Masken und Kostüme. Das Gestaltungsspiel kann ins Rollenspiel übergehen. Die Interpretation der entstehenden abstrakten Formen sorgt für Antrieb und Ideen. Aus dem Konstruktionsspiel kann darüber hinaus auch ein Bastelspiel werden: Denn Papier lässt sich schneiden, reißen, lochen, bekleben oder bemalen, was unter Umständen zu sehr individuellen und experimentellen Ergebnissen führt. Die Mischung von Konstruktionsmöglichkeiten und den Möglichkeiten des Papierbastelns macht „Pepastars“ vielfältig und interessant. Denn letztlich, so Winter, „darf man nicht vergessen, dass im Spiel hauptsächlich das Spielen an sich gelernt wird und dass ein Spielzeug nur dann gut ist, wenn es Freude schenkt”.
Bereits frühere Arbeiten des 1977 geborenen japanisch fränkischen Designers fielen durch ihre konzeptionelle und konstruktive Stärke auf. Während eines Auslandsstudiums an der Universität IUAV in Venedig entwickelte er beispielsweise einen größenvariablen Behälter aus einem einzelnen ziehharmonikaartig geschlitzten Bambusrohr. Mit dem Entwurf gewann er den Nachhaltigkeitspreis eines italienischen Fair-Trade-Unternehmens (siehe design report 05/2005). Für sein Papierspiel erhielt Winter beim diesjährigen Mia-Seeger-Preis eine Anerkennung. Das inzwischen zur Marktreife gebrachte Produkt wird über den Kasseler Verlag Rotopolpress vertrieben.
www.pepastar.net
www.rotopolpress.de
Birgit Bauer | |