|
|
|
| Ausgabe: 06/2008 | 02.02.2009
Schwerpunkt: Konvergenz
Konvergenz hat etwas mit Konversation zu tun. Der Begriff handelt – in welcher Fachsprache oder in welchem Diskurs er auch verwendet wird – von der Veränderung, vom Zusammenführen von Standpunkten, Meinungen, Standards. Ziel ist es, einen Austausch herbeizuführen und Grenzen zu überwinden. So gesehen, ist Konvergenz ein Prozess der Zivilisierung.
In unterschiedlichsten Kontexten wird Konvergenz zum Thema: In den 1960er und 1970er Jahren waren es amerikanische Soziologen, die behaupteten, technologische und organisatorische Notwendigkeiten der Industrieproduktion und der Verstädterung würden langfristig zu einer Angleichung der östlichen Planwirtschaften an den westlichen Pluralismus führen. Später, im Zuge der europäischen Integration, war ebenfalls von Konvergenz die Rede, diesmal von der Angleichung der europäischen Wirtschaftsstrukturen bis hin zum einheitlichen europäischen Wirtschaftsraum mit einer einheitlichen Währung. Wollte man dem Euro beitreten, mussten Konvergenzkriterien eingehalten werden.
Spreche man heute von Konvergenz, sei dabei fast immer die „digitale Kuppelei“, so eine Überschrift in der Wochenzeitung Die Zeit, gemeint. Techniken der Datenübermittlung wüchsen dabei zusammen, sodass es auf die Endgeräte, etwa zum Telefonieren, Fernsehen oder Spielen, zum Rechnen oder Hören, gar nicht mehr ankomme – bis heute ein uneingelöstes Versprechen. Der Medienwissenschaftler Norbert Bolz rückt in seiner Schrift zum „BANG-Design“ etwas anderes ins Blickfeld: Er propagiert das Zusammenwachsen weit komplexerer Technologien. Designer, so fordert er, sollten sich verstärkt um die Bausteine unserer Welt, um Bits, Atome, Neuronen und Gene kümmern. Im Kern gehe es um die Verwirklichung von Menschheitsträumen: um Verständigung, Schöpfung, Unsterblichkeit und nicht zuletzt um Sicherheit. Ein geradezu utopisches Unterfangen – nicht nur Designern wird es dabei kalt den Rücken runterlaufen. Pragmatischer nimmt sich hingegen der Fokus unseres aktuellen Schwerpunktes aus: Gesche Joost und Tom Bieling untersuchen die Evolution mobiler Endgeräte und benennen künftige Designstrategien. Welche Anwendungsmöglichkeiten QR-Codes für multimediale Informations- und Marketingkampagnen bieten, zeigt Nicolas Uphaus auf. Am Beispiel eines mobilen Endgeräts für den Medizinsektor macht Armin Scharf klar, wie die künftige Flut digitaler Patientendaten in sinnvolle Bahnen geleitet werden kann. Und wie technologische und gestalterische Konvergenzen in ganz anderen Zusammenhängen perfektioniert werden können, zeigt ein Rückblick auf den jüngsten US-Wahlkampf.
Thomas Edelmann | |
|
|
|
|
|
|